Osterfest oder futtern bei Muttern …

Das Osterfest. Der Tag beginnt wie jeder Tag an dem man sich mit der Familie trifft. Man steht morgens auf und ist voller Freude die Familie zu treffen, Neuigkeiten auszutauschen, Angelegenheiten zu besprechen, zu diskutieren über Gott und die Welt. Aber man kennt auch das Gefühl das sich im Laufe des Tages einschleichen wird.

Das Osterfest und das Gefühl der Völle. Der Bauch gespannt bis aufs Äußerste. Unmöglich sich zu bewegen.  Ich bin froh, wir haben einen Hund und der sorgt für Bewegung. Es gibt also Hoffnung daß es dieses mal nicht so hart werden wird. Die Oster – Völlerei.

Die Fastenzeit ist vorbei. Die Kinder und Omis der Nachkriegszeit kennen die Not, sie haben sie ja selbst erlebt. Nun glaubt man, so scheint es, man muss alles nachholen. Dieser Gedanke spiegelt sich in den Mengen und den Portionsgrößen. So liebe Frau, schnapp den Hund und lass uns los fahren. Wir stellen uns der Herausforderung.

Es beginnt …

Das Osterfest beginnt. Es ist 11:20. Wir treffen ein. Nach einer freundlichen und herzlichen Begrüßung, der erste Satz des Familienoberhaupts „Ich habe schon Hunger“. Es duftet. Genuss liegt in der Luft. Meine Antwort: „Ich auch“. Das war das Signal für die Köchin das Mahl nun Schritt für Schritt aufzufahren. „Setzt euch, alles ist fertig, ich komme gleich“. Diesem Kommando folgt man gerne. Der erste Gang wird serviert. Es findet sich für jeden noch ein kleiner Platz am reichlich dekorierten und gedeckten Tisch.

Die Suppe in grün gehalten, zubereitet aus frischem Broccoli, verwandelt in eine feine Cremesuppe, bestellt vom Enkel. Wie soll es anders sein Oma erfüllt auch diesen Wunsch. Dazu feine Croutons. Die Wärme der Suppe ist optimal. Mundwarm. Plötzlich ist kein Wort mehr zu hören. Leises, sanftes schlürfen, klimpern der Löffel, verursacht durch das Berühren des Tellergrundes. „Mhhhhh, Lecker“ durchdringt die Stille. Es ist geschafft. Erster Gang erledigt und der Körper ist auf Genuss eingestellt. Die Teller verlassen geleert den Speiseraum. Der Salat bleibt nicht lange unberührt. Jeder nimmt sich seine Schüssel. Der Eine mehr der Andere weniger. Salat allerdings hilft bei der Verdauung.

der zweite Gang …

Immer lauter werdende Schritte sind zu hören. Der zweite Gang wird serviert. Zarte Rindschnitzel im Gemüsesaftl. Als Beilage Miniknödel. Drei bis vier Stück pro Person und zwei Stück Rindschnitzel. „Oh mein Gott, kann ich das schaffen? Ja ich schaffe das!“ Sanft gleitet das Messer durch das Fleisch. Der erste Bissen umschmeichelt den Gaumen. Reflexartig schließen sich die Augen. „Mmhhhhhh, ist das lecker“
Gabel für Gabel ein Genuss. Die Portionen sind groß, es ist noch lange nicht Schluss! Wortloses Geklimpere. Die Salatschüsseln fühlen sich einsam. Wenige schenken ihnen Aufmerksamkeit. Das letzte Stück Knödel gleitet über den Teller um noch den restlichen, köstlichen Saft aufzunehmen. Ein letzer Bissen und der zweite Gang ist geschafft.

Der Tisch wird von den Frauen gereinigt. In der Küche hört man Geschirr scheppern. Wasser läuft und leise Plauderei ist zu hören. Die Männer, drei an der Zahl begeben sich zufrieden ins Wohnzimmer. Kurze Rast, Fernseher an, relaxen und Bildung ist nun angesagt. Man schaut eine Natur-Doku, lacht und diskutiert. Der Enkel wird unruhig, Langeweile kommt auf. „Opa? Spielen wir Schach?“ Die Partie beginnt.
Konzentration, nichts ist zu hören. Der Fernseher erzählt nebenbei seine Geschichten. Einige Zeit später sind die Mädels fertig. Das Geschirr ist wieder verstaut, wir allerdings haben noch nichts verdaut. Der Tisch ist nun leer, optimal für ein Kartenspiel, Rome nennen wir es. Wir spielen also einige Runden und merken wie der Körper mit der Verdauung beschäftigt ist.

Halbzeit …

Das Osterfest erreicht nun die Halbzeit. Es ist 14:00 Uhr. Die Kartenrunde ist noch voll im Gange. Plötzlich fällt es, das Wort vor dem man sich schon gefürchtet hat, man weiß es geht nun weiter, Kaffee und Kuchen werden folgen. Einige Minuten später wird eine rießige Tiramisutorte am Tisch trappiert und wartet auf den Anschnitt. Die Augen läuchten, der Magen duckt sich und schreit leise „Nein, noch nicht“. Wir können den Magenschrei nicht hören. Genuss, Genuss, Genuss, mehr gibt es nicht zu sagen. Gut für den Mund schlecht für den Magen.

Weiter im Kartenspiel. Mein Sohn, das Enkerl erkennt plötzlich die fortgeschrittene Stunde und schreit laut nach einem Haarschnitt. Er muss ja heute noch die Freundin besuchen. Oma, ehemals Friseurin schreitet zur Tat und sebelt ihm die Haare ab. Als er fertig ist. fällt ihm ein er muss noch etwas essen bevor er uns verlässt. Die Zeit ist fast zu weit fortgeschritten. Er drängt. „Oma! Mach das Essen ich muss bald weg!“. Oma folgt und beginnt das Abendessen zu richten.

Das Ende naht …

Die Uhr zeigt 17:00. Das Osterfest neigt sich den kulinarischen Ende zu. Es folgt der letzte Höhepunkt.
Brotkörbe, Gebäck und Beilagen, eingelegt in Essig und Öl werden am Tisch verteilt. Eine riesige Schüssel Ostersalat, wir sagen Misch-Masch dazu, wird kredenzt. Es ist noch nicht genug. Die mächtige Osterplatte, prall gefüllt mit gebratenem und geräuchertem Fleisch, Wurst, Käse fehlt noch! „Mahlzeit Kinder“, ertönt es. Der Magen er schreit erneut, wir können es nicht hören, auch wenn er noch so heult, wir lassen uns nicht stören. Genussvoll aber bereits sehr langsam nehmen wir das letzte Abendmahl zu uns. Das letzte für heute. Sichtlich erschöpft sind wir froh als der Tisch erneut geleert wird. Der Sohnemann springt kurze Zeit später auf um sich auf seinen motorisierten Gaul zu schwingen, durch die Asphaltprärie zu reiten und die Freundin zu retten.

Der Abschied …

Wir, die Eltern des einen und Kinder des anderen ergreifen die Gelegenheit um uns auch zu verabschieden. Nach Hause, ausstrecken, den Magen entlasten, die Energie auf die Verdauung lenken. Die Großeltern glücklich, verkünden sie werden jetzt das Gleiche tun.

Das Osterfest ist zu Ende. Es wurde gelacht, geredet, diskutiert und vor allem wie jedes Jahr gevöllert.
Die Ostervöllerei. Eine lebensnahe Ostergeschichte ….

 

 

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