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Die Entdeckung des Fürchterlichen …

Wie jeden Tag mach ich mich auf um die Gegend zu erkunden, neues zu entdecken und meine neue Heimat kennen zu lernen. An meiner Seite wie immer mein treuer Hund. Mein Mädel! Wir spazieren heute nicht Richtung Wald wie gestern. Nein, darauf habe ich keine Lust. Wir gehen auf die leichte Anhöhe genau in der entgegengesetzten Richtung. Ja, das sehen wir uns an.

Wir erreichen die Kuppel des leichten Hügels. Auf der anderen Seite eine kleine, grüne Hütte. Verwachsen, verfallen aber trotzdem eingezäunt. Die Vorhänge flattern durch das teilweise gebrochene Fensterglas. Der Wind pfeift über das Dach und erzeugt ein Knarzen und Wummern. Es ist gespenstisch und interessant, ja fast romantisch zugleich. Wer hat da wohl gewohnt? Lange ist es her.

Wir sehen in unmittelbarer Nähe einen Haufen Steine. Umgeben von einem kleinen Wald. Wald ist übertrieben, es ist eher ein großes Areal mit Gestrüpp. Plötzlich gleich hinter der leichten Kurve fährt uns der Schock in die Glieder. Wir sehen die Hand. Aufgespießt. Ein Zeichen? Das Fürchterliche versetzt uns in Starre.

Fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen …

Also hier geschehen Dinge! Würde man das alles erzählen würde man sicherlich mit vielen Tabletten in einer weichen, runden Zelle landen. Das glaubt ja keiner. Aber ich bin noch ganz bei Sinnen, zweifle an dem was ich sehe und denke es ist ein Scherz. Ich nähere mich der Skulptur. Ja so will ich es bezeichnen das Fürchterliche. Die Skulptur.

Es beginnt etwas seltsam zu riechen. Modrig. Ach was, das ist das Holz. Ich berühre langsam die Skulptur. Die ist nicht … Nein, sie ist fest in der Konsistenz. Ich drücke fester. Es tropft eine seltsame rot-gelbliche Masse heraus. Es stinkt wie die Pest. So riecht der Tot. Die Skulptur war einst die Hand eines Menschen. Mich ergreift die Furcht und ich beginne schnellen Schrittes die Flucht zu ergreifen.

Die Grenze ist gesteckt …

Ich erreiche mein Eigenheim. Schweißgebadet setze ich mich auf die Bank, meinen Rastplatz im Garten. Ich versuche mich zu erholen und die Gedanken zu klären. Mein neuer Nachbar, einer der Ältesten und Erfahrensten im Dorf spricht mich an. Na, mein Freund, wieder unterwegs gewesen? Was hast du gesehen? Ich erzähle ihm vom grünen Haus. Von der Hand und der fürchterlichen Furcht vor dem Fürchterlichen.

Er sieht mich an und sagt ja mein Freund. Bis dahin und nicht weiter. Das ist die Grenze! Die Grenze wovon, frage ich! Die Grenze zum Reich der Holzmichl. Gestern hast du den Eingang gefunden, heute hast du die Grenze erreicht.

auf keinen Fall weiter …

Bis dahin und nicht weiter. Sagt er, sonst ergeht es dir wie dem Sepp! Wer ist Sepp? Sepp ist die Hand mein Freund, Sepp ist die Hand. Oh Gott, das war Sepp, denke ich. Ich kenne Sepp nicht aber ich denke er war ein Depp.

Wir haben Sepp damals auch gewarnt. Er hört nicht auf uns und fährt mit seinem Quad wie ein Wilder umher. Plötzlich hört er ein Geräusch. Ein Holzmichl verfolgt den mutigen Sepp. Er dreht sich um spottet und zeigt den Finger, ja den Stinkefinger. Das war seine letzte Tat. Der Holzmichl erwischt ihn,  reißt ihn von Quad. Es kracht, roter Nebel versprüht und beide verschwinden im Unterholz. Was bleibt ist die Hand. Die Hand von Sepp.

Als Warnung für alle Anderen haben wir die Hand genau dort platziert wo wir sie gefunden haben. Sichtbar und fürchterlich. Ja, alle müssen sich vor dem Fürchterlichen fürchten. Und ich gebe dir noch einen Tipp. Du hattest gestern Glück und auch heute war dir das Universum wohl gesonnen. Ich wäre aber vorsichtig. Siehst du etwas merkwürdiges so laufe sofort immer ins Dorf. Gehe in dein Haus, in den Garten, bleibe auf deinem Grundstück, da bist du sicher. Fordere dein Glück nicht heraus.

Überschreite niemals die Grenze.

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